
hysterikon
Auszüge aus den Kritiken, Oktober
2002
Kennen Sie das auch? Da stehen Sie im
Supermarkt am Kühlregal und können sich nicht zwischen Himbeer-, Erdbeer-, und MaracujaZimt-Joghurt entscheiden. Und dann geht es an der Schlange der
Nebenkasse auch noch doppelt so schnell wie an der eigenen. Da könnte man doch
wahnsinnig werden. Das dachte sich wohl auch die junge Autorin Ingrid Lausund.
Sie hat darüber ein Theaterstück geschrieben. Es heißt Hysterikon und
beschreibt neben dem ganz alltäglichen Wahnsinn des Einkaufschaos auch den
Ausverkauf der Gefühle in unserer Konsumgesellschaft. Am 13. Oktober 2002 war
die Premiere in der Halle Beuel.
Die erste Überraschung gibt es schon beim Reinkommen.

Die Halle Beuel hat sich in einen Supermarkt
verwandelt. Und der Filialleiter überprüft die Zuschauer auf ihre
Zahlungsgewohnheiten. Schon wird klar, es geht hier nicht nur ums Einkaufen,
sondern auch um den Markt der Emotionen, der Sehnsüchte und Hoffnungen.
[...]
Das Stück Hysterikon ist eine kunterbunte
Collage aus verschiedensten kurzen Szenen. Alle gespickt mit plakativen
Anspielungen auf alle nur erdenklichen Spielarten des Seelenlebens.
Da turnt die
fleischgewordene Lust schon mal in der Fleischtheke rum. Aber alle aufgebauten
Klischees werden hier sofort wieder persifliert und durch den Kakao gezogen.

Alles in allem ist es ein herrlich amüsanter und dabei sehr wohl auch
hintergründiger Theaterabend.
Jochen Strauch hat das Stück schrill und pointiert
inszeniert
und dabei viele herrlich chaotische Szenen entwickelt, die ständig
die Lachmuskeln reizen.
Nach der gut zweieinhalbstündigen
Premiere gab es kräftigen Applaus. Die Zuschauer waren offenbar recht
begeistert.
WDR, TV Premieren-Report
...]
Die Szenenfülle treibt den um kaum einen Effekteinfall verlegenen Jochen Strauch
zu einer Bluthochdruck-Inszenierung an, welche immer wieder Lachwellen über die
Zuschauer wogen lässt, aber der Regisseur lässt immer wieder auch innehalten,
lässt Unsicherheit und Leere der Menschen spüren...
Rheinzeitung, 19.10.2002

Vor dem Eingang parkt ein einsamer Einkaufswagen. Man öffnet die Glastür und
betritt einen Supermarkt. Wir sind nicht bei "Aldi" oder "Plus", sondern in der
Schauspiel-Halle Beuel. Hier zwischen Regalen voller Klopapier und Nutella
spielt Hysterikon [...]
Der SB-Markt wandelt
sich schnell zum magischen Ort, an dem die Kunden zwischen den Sonderangeboten
nach dem Sinn des Lebens suchen
[...]
Auf die Spitze getrieben: die Nummer in der
Kühltruhe, wo sich sexy Weibchen "Frigitte" der Männer annimmt, bis sie zum
"Billigstangebot" verkommt. Über allem thront sarkastisch der Kassierer:
Andreas Seifert
als Spielmacher, Psychiater, Gott des
Supermarktes.
Viel Premieren-Beifall!
Express Bonn, 13.10.2003

Fotos: Thilo Beu