misery

Auszüge aus den Kritiken, Dezember 2007

So einfach die Handlung, so schwierig ist die Inszenierung des fürs Theater umgeschriebenen Romans:
Auf eine Spielstätte beschränkt sie sich und hat neben Schockeffekten lediglich
den Überlebenskampf zwischen psychischer Grausamkeit und physischer Brutalität.
Eine Herausforderung ans schauspielerische Personal also.
Am Pfalztheater schickt Regisseur Jochen Strauch mit
Hannelore Bähr und Rainer Furch zwei der profiliertesten Ensemble-Mitglieder ins Rennen. […]
Herrlich, wie Bähr ihre Annie zwischen Naivität und Neurose, Bondie-Klischee und Bosheit changieren lässt.
Den Schmerzen, Ängsten des Autors verleiht Furch eindringlich Gestalt,
ebenso dem Hass, der aus Paul am Ende eine Killermaschine werden lässt.




Mit vielen Regie-Einfällen lockert Jochen Strauch die zweieinhalbstündige Inszenierung auf,
 
…] fährt einen bunten Medienmix auf, von Filmeinspielungen bis zur Hintergrundmusik, um Querverweise,
um Abwechslung zu schaffen und die Atmosphäre zu unterstreichen.
[…]
Ein unterhaltsamer Theaterabend also, der das Zeug zu einem weiteren „Renner“ auf der kleinen Bühne des Pfalztheaters hat, die sich inzwischen längst von der Experimentierstätte zum Garant für lebendige und spannende Theatererlebnisse entwickelt hat.

Die Rheinpfalz, 10.12.2007
 

Bühne, Video und Kostüme von Frank Albert. Mehr Bildmaterial unter >> www.frankalbert.de

       

Der Vorhang fällt. Das Publikum wird in eine düstere Szenerie katapultiert.
Nebelschwaden ziehen durch einen feuchten Kellerraum.
Da liegt einer verletzt und blutend im Krankenbett. Eine zarte Frau watschelt aufgeregt
und erwartungsvoll um ihren Patienten, der langsam wieder zu Bewusstsein kommt. [...]
Und dabei führt nicht nur das atmosphärische Bühnenbild von Frank Albert
das Publikum in einen düsteren, verborgenen Kellerraum -
auch Strauch sucht nach den Abgründen der menschlichen Seele,
nach einem doppelten Boden sozusagen.
[...]

Bähr und Furch machen das sadistische Machtspiel zwischen Annie und Sheldon greifbar. Sie stellen anhand diverser Schlüsselszenen die persönliche Entwicklung beider Figuren dar. ...] eine Darstellung zweier unterschiedlicher Machtpositionen und deren hierarchische Umkehr. Denn nachdem Sheldon das Befohlene getan hat, also einen weiteren "Misery"-Roman vollendet hat, bereitet er selbst ein blutrünstiges Finale vor. Brutal erwürgt er Annie. Als sie dennoch überlebt, schlägt er ihren Kopf auf einer Treppenstufe auf. Und als sie immer noch zuckt, prügelt er mit einer Schreibmaschine wie im Blutrausch auf sie ein. So wird das Opfer selbst zum hemmungslosen Täter. In Sheldon überlebt auch das Böse, denn: "Einmal Böse, nie mehr gut." Von wegen Happy End. Der Vorhang fällt. Ende.

Wochenblatt, 12.12.2007