Theater machen

neunzehnvierundachtzig

von George Orwell
Premiere: 04.03.2018
Theater Kiel
Bühne, Kostüme und Video: Frank Albert
Komposition und Sounddesign: Matthias Schubert
Dramaturgie: Kerstin Daiber
Mit: Christian Kämpfer, Claudia Friebel, Zacharias Preen, Agnes Richter, Iris Tovar und Fenja Schneider
Fotos: Frank Albert, Jochen Strauch und Olaf Struck

Siris

Winston mit Siri, Alexa und Cortana

Im Zeichen des Bruders

„Erstmal stehen drei android anmutende Damen auf High Heils und in feuerwehrroten Hosenanzügen in einer schwarzrotgrauen Neonwelt und legen einen ausdauernden Wortstrom darüber: Dauerkrieg, Gedankenverbrechen, verknappte Konsumgüter, Gedankenverbrechen und Neusprech. Macht ist Staatsraison …“

War is peace

„… In eine hochstilisierte Künstlichkeit hat Regisseur Jochen Strauch George Orwells Romandystopie 1984 versetzt. Und Frank Alberts kühles Science-Fiction-Setting könnte mit der roten Stufenlandschaft, den Parolenprojektionen auf Schiebewänden und dem V-Logo im Hintergrund ebensogut die Kommandozentrale von Kim Jong Un wie die von Raumschiff Orion oder eines im Kalten Krieg hängen gebliebenen James-Bond-Bösewichts sein.“ – Ruth Bender, Kieler Nachrichten, 06.03.2018

1984 Final Rehearsals

Endprobenwoche

„Strauch lässt Zeiten und Räume verfließen, gönnt sich aber manchmal auch harte Blackouts zwischen der Untertanen-Welt und dem Zentrum der Macht. Gleich zu Beginn sieht man das Paar bei O’Brien vorsprechen … Wild entschlossen, gegen den Großen Bruder zu rebellieren. Aber da sieht man schon, wie die beiden auch beim Aufstandproben in der angelernten Musterschleife hängen bleiben. Und die Szene, die eigentlich in der Mitte des Stücks steht, wird zum Knotenpunkt, an dem Vergangenheit und Zukunft, Wahrheit und Traum ineinanderfließen.“ – Ruth Bender, Kieler Nachrichten, 06.03.2018

Skizze der Kieler Fassung.

Mit Siri und Alexa in den Überwachungsstaat

“ ‚Der große Bruder sieht dich!‘ Als Projektion beherrscht der Satz die Bühne, die so rot leuchtet wie die Anzüge der drei Frauenfiguren … Knallrot sind ihre Münder, grotesk lange Wimpern ragen aus ihren maskenhaft glatten Gesichtern. Das gespenstische Trio beherrscht die erste Szene in Jochen Strauchs Inszenierung von 1984.

Victory Station

Victory Station

… 70 Jahre nach seinem Erscheinen ist Orwells Roman wieder ein Bestseller – das Zeitalter von „Fake News“ und „alternativen Fakten“ lässt grüßen. Regisseur Strauch versucht den vorsichtigen Transfer des Stoffes in die Gegenwart – der roboterhaft agierende Chor der Frauen lässt Gedanken an computergesteuerte Sprachassistentinnen wie Siri oder Alexa aufkommen. Während der kompletten Aufführung präsent, ersetzen sie als Stellvertreterinnen des großen Bruders die Überwachungsmonitore, übernehmen sie abwechselnd die Rolle des Erzählers und schmeicheln sich wie Sirenen in den Kopf von Winston.“ – Sabine Christiani, SHZ, 06.03.2018

Brotherhood

Die Bruderschaft

„Christian Kämpfer ist ein nachdenklicher, verunsicherter Winston. Einer, der sich im Kleinen verweigert, aber niemals das Zeug zur Revolte hätte. So wenig wie Claudia Friebels zwischen pragmatischem Opportunismus und forschem Eigensinn zupackende Julia.“ – Ruth Bender, Kieler Nachrichten, 06.03.2018

Hate Week 1984

„Das Stück beginnt. Monoton, fast maschinell ertönen drei beängstigend-gleich tonale Stimmen. Sie erzählen von Krieg, Sicherheit und der Partei … In roten Anzügen mit High Heels, völlig haarlos und ohne Gesichtszüge. Sie starren ausdruckslos und (als Zuschauer) hat man hat das Gefühl, genau beobachtet zu werden. Die Atmosphäre ist bedrückend, ein klammes Gefühl. Verursacht durch diese Figuren, die keine Identität haben. Sie starren den Zuschauer an. Eine Stunde und vierzig Minuten … Sie haben keine Individualität, sie sprechen völlig synchron und haben keine eigenen Gedanken neben den Grundsätzen der Partei.“ – Scarlet the red, Kieler Blog, 06.03.2018

Auf NDR 1 veröffentlichte Kerstin Düring am 05.03.2018 diesen Premierenbericht inklusive Interview:

 

Mehr Fotos aus den Endproben auch bei Frank Albert. Die aktuellen Termine sind auf der Homepage des Theater Kiel zu finden und Notizen zur Entstehung des Projektes im Making-of.

1 Kommentar

  1. Nadja Töpper

    Lieber Jochen,

    was für eine Inszenierung! Sehr intensiv, zuweilen verstörend, immer berührend und sehr nachhaltig. Danke für diesen wunderbaren Abend! Und ein echtes Kunststück, dieses Buch so modern zu interpretieren. KI ist überall…

    Lieben Gruß,
    Nadja

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.