Theater machen

Soldier Songs

„In einem beeindruckenden Multimediatheater hinterfragt Strauch die Mär vom starken Helden, vom Säbelrasseln amerikanischer Präsidenten und schafft ein intelligentes, bildstarkes Musiktheater, das Krieg und Aggression grundsätzlich in Frage stellt.“

von David T. Little
Europäische Erstproduktion, Premiere: 17.2.2019
Saarländisches Staatstheater
Mit: Salomón Zulic Del Canto
Dramaturgie: Frederike Krüger
Bühne, Kostüme und Video: Martin Hickmann
Fotos: Andrea Kremper, Martin Hickmann

„2015 bestand die USA 239 Jahre – und befand sich davon rund 222 Jahre im Krieg. Aber was erleben die Menschen im Krieg – und was danach? Wie leben die Veteranen? Der amerikanische Komponist David T.Little hat Menschen aus seiner Familie, die im Krieg waren, zum Reden gebracht – und aus diesen Protokollen einen Liederzyklus geschrieben. Für Regisseur Jochen Strauch ist dieser aber weit mehr, als ein Stück über die Traumata von Kriegsveteranen. In einem beeindruckenden Multimediatheater hinterfragt er die Mär vom starken Helden, vom Säbelrasseln amerikanischer Präsidenten und schafft ein intelligentes, bildstarkes Musiktheater, das Krieg und Aggression grundsätzlich in Frage stellt.“ – Karsten Neuschwenders Fernsehbericht im Saarländischen Rundfunk

Still Life With iPod

An den Grenzen des Erträglichen

„Vor Beginn spielen sich die Musiker derart aufgekratzt und ohne Rücksicht auf das Publikum warm, dass man sich fragt, ob das als Akt unterschwelliger Aggression wohl schon zum Stück gehört. Während der Vorstellung merkt man manchem Zuschauer dann an, dass er es kaum aushält und gerne nach draußen flüchten würde. Licht! Luft! Stille! Dabei dauert das Ganze nur gut eine Stunde, aber die ist kompakt bis an die Grenzen des Erträglichen: Akustisch und visuell wird man (…) wuchtig in den Horror von Kriegen katapultiert,  (…)

Old Friends With Large Weapons

(David T.) Little, Jahrgang 1978, schildert darin exemplarisch die fiktive Biografie eines amerikanischen Soldaten, die er aus Interviews mit Kriegsveteranen herausgefiltert hat. (…) Regisseur Jochen Strauch und Martin Hickmann (Ausstattung und Videos) greifen Littles Dreiteilung auf und setzen sie im Bühnenbild als eine Art Tryptichon um. (…) Auf diesen Opferaltar werden (…) Bilder und Videos projiziert – bunte Comics von Superman als Sinnbild des All American Hero, graue Schemen kämpfender Soldaten, (…) – zusammen mit der Musik und den Bildern ergibt sich eine fortwährende Verdichtung.“

Salomón Zulic del Canto (…) verkörpert intensiv jedes Entwicklungsstadium: den zynisch kriegslüsternen, ja tötungsgeilen Rekruten; den verängstigten, hilflosen Soldaten; den gebrochenen Veteran.“ – Kerstin Krämer, Saarbrücker Zeitung, 19.2.2019

„I am very thankful to have been able to see Jochen Strauch’s powerful production of Soldier Songs last week in Saarbrücken. The devoted performances, and the audience’s enthusiastic response at the end, confirmed to me that this work can transcend national boundaries; it is not just an American story, but something more universal in its exploration of war and its impact on the individuals who fight it. (I also found great personal meaning knowing that the venue—the Alte Feuerwache—was on Max-Braun-Platz, named in honor of a local antifascist politician.) Jochen’s production is more direct in its critique of American foreign policy than one might typically see in the States, and seeing this contrast made me really appreciate the vital importance of directorial perspective in the interpretation of opera. That’s one place where opera can really live; where the dialogues and debates and arguments can begin. It was a thrilling experience.“ – David T. Little

Mehr zum Stück, zum Komponisten und zum Probenprozess im Making-of; eine zusammenfassende, 18-minütige Dokumentation verwendet Material aus den Aufzeichnungen in Haupt- und Generalprobe. Thematisch verwandt: Grounded.

1 Kommentar zu “Soldier Songs

  1. I am very thankful to have been able to see Jochen Strauch’s powerful production of Soldier Songs last week in Saarbrücken. The devoted performances, and the audience’s enthusiastic response at the end, confirmed to me that this work can transcend national boundaries; it is not just an American story, but something more universal in its exploration of war and its impact on the individuals who fight it. (I also found great personal meaning knowing that the venue—the Alte Feuerwache—was on Max-Braun-Platz, named in honor of a local antifascist politician.) Jochen’s production is more direct in its critique of American foreign policy than one might typically see in the States, and seeing this contrast made me really appreciate the vital importance of directorial perspective in the interpretation of opera. That’s one place where opera can really live; where the dialogues and debates and arguments can begin. It was a thrilling experience.

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