Theater machen

Dschabber

von Marcus Youssef, Übersetzung Bastian Häfner
Europäische Erstaufführung: 8.11.2018
GRIPS Theater Berlin
Ausstattung: Christin Treunert
Komposition und Sounddesign: Matthias Schubert
Dramaturgie: Tobias Diekmann
Mit: Nina Reithmeier, Patrik Cieslik, Marius Lamprecht
Fotos: David Baltzer, bildbuehne.de
Veröffentliche Termine: 26., 27., 28. November 2018, 7., 8., 25., 26., 28. Januar, 26., 27. Februar, 9., 10. April, 6., 7., 25., 27., 28., 29. Mai 2019

„Dschabber kommt von Hidschab, dem arabischen Begriff für verschiedene Formen der Verschleierung, zu denen auch das Kopftuch zählt. Fatima (Nina Reithmeier) und ihre Freundinnen haben sich den ironischen Gangnamen ,Die Dschabber’ verliehen. Allerdings wird das Mädchen von den Eltern jäh aus seiner gewohnten Umgebung gerissen – weil an der Schule ein Graffito aufgetaucht ist: ‚Tötet alle Muslime!‘ In der neuen Lehranstalt ist Fatima (…) ohne schwesterlichen Anschluss. Dafür freundet sie sich zaghaft mit Jonas an (Patrik Cieslik). Die Flirts spielen sich vornehmlich über Chats ab. In Jochen Strauchs Inszenierung werden sie auf eine nackte Betonwand projiziert, die hier das unvertraute und vorurteilsverhangene schulische Umfeld darstellt (Bühne und Kostüme: Christin Treunert).“ – Patrick Wildermann, Der Tagesspiegel, 12.11.2018

„Es ist die alte Romeo-und-Julia- oder Königskindergeschichte (…): Junge trifft Mädchen unter denkbar ungünstigen Vorzeichen, trotzdem entwickeln sie Gefühle füreinander. Aber der Fluss aus Vorurteilen und unterschiedlichen Lebensrealitäten ist tief. (…) In seinem Stück wird Youssef nie allgemein oder spekulativ, sondern er erzählt die Geschichte zweier Außenseiter, die sich aneinanderklammern, (…) Anders ist hier also nicht nur Fatima sondern auch Jonas. Der Abend passt hervorragend ins Grips-Programm. Wegen des Themas, das einmal mehr dem jugendlichen Publikum Perspektivwechsel ermöglicht. Aber auch wegen der Form, die immer wieder klarmacht, dass wir im Theater sind, und Schauspieler Rollen spielen. (…) Regisseur Jochen Strauch setzt ganz auf seine Schauspieler, auf ein hohes Energieniveau und einfachste Mittel – aus den Stühlen bauen Reithmeier und Cieslik die Stufen am Kanal, Rollen liegen oft nur einen Pulloverwechsel voneinander entfernt.“ – Georg Kasch, Berliner Morgenpost, 12.11.2018

„Unmittelbar, unaufgeregt, einfach drauf los und mitten rein, dabei gleichzeitig immer mitfühlend – so wie Integration im besten Falle laufen sollte.
Genau so ist das neue Stück am Grips Theater. (…) Sowohl das originale Stück von Marcus Youssef, als auch die Inszenierung Jochen Strauchs, besitzt verschiedene Elemente, die einen unglaublich spannenden Perspektivwechsel hervorrufen. Zwei der drei Schauspieler, wechseln während des Stückes offensichtlich ihre Rollen. Gleichzeitig treten sie auch aus ihren Rollen heraus und bewerten die Handlung des Stückes. Damit wird schnell klar, dass es nicht darum geht eine Geschichte zu erzählen, die einen in ihren Bann zieht und man am besten alles um sich herum vergessen soll. Nein keinesfalls – im Gegenteil! Das Stück möchte Augen öffnen, mit Vorurteilen bzw. Klischees brechen und ein Bild des gemeinsamen Miteinanders zeichnen.“ – digga.alex-berlin.de, 13.11.2018

„Online kommt es auch zu einem Vertrauensbeweis mit Folgen: Fatima legt für Jonas das Kopftuch ab. Ein intimer Moment, der leider nicht ungeteilt bleibt. Wobei sich daraus – das darf man wohl verraten – kein Ehrenmorddrama mit ‚Allahu akbar!‘ brüllenden Gotteskriegern entwickelt (…) Die größte Qualität von Youssefs Stück ist die Unaufgeregtheit, mit der eine ziemlich geradlinige Boy-meets-Girl-Geschichte unterm Hidschab erzählt wird.“ – Patrick Wildermann, Der Tagesspiegel, 12.11.2018

„Grips-Debütant Jochen Strauch setzt sie entsprechend minimalistisch in Szene. Angetrieben von den kraftvoll-klaren Beats des Live-Drummers Thilo Brandt beginnen Reithmeier, Cieslik und Lamprecht die Verwandlung, die offen ausgestellt wird: ‚Sagen wir, wir sind in einer Schule‘. – ‚Sagen wir, ich bin nicht 37, sondern 16.‘ – ‚Sagen wir, Fatima ist erst seit ein paar Jahren in Deutschland.‘ Das verleiht dem Ganzen einen spielerisch-unbeschwerten Charakter.“ – Patrick Wildermann, Der Tagesspiegel, 12.11.2018

„Ausstatterin Christin Treunert hat eine grau Betonschulwand auf die Bühne gestellt mit zwei Türen, Stühlen und Kleiderhaken, an denen alle Kostüme für schnelle Szenenwechsel hängen. Davor ist die Spielfläche markiert. Wer sie betritt, ist auf der Bühne (…) Wenn sich Nina Reithmeier zum ersten Mal in Fatima verwandelt, legt sie den Hidschab an, als sie ein Youtube-Tutorial drehen – jeder Handgriff ist eine Demonstration. Das zeigt aber auch: Wir spielen das hier nur, das ist eine von vielen Möglichkeiten und unsere Art der Annäherung.“ – Georg Kasch, Berliner Morgenpost, 12.11.2018

„Und ist auch toll gespielt, von Reithmeier als selbstbewusster Fatima, die sich im Spotlight zu Jetzt-wird’s-spannend-Klängen das Kopftuch anlegt, von Cieslik, der Jonas in der Balance zwischen Sympathieträger und Idiot hält, von Lamprecht, der seinen Lehrer zielsicher an Pädagogen-Klischees vorbeibalanciert. ‚Dschabber’ erklärt nicht zu viel und nicht zu wenig. Denkanstöße fürs Gespräch danach gibt es genügend.“ – Patrick Wildermann, Der Tagesspiegel, 12.11.2018

„Dschabber ist sicher auch ein Beitrag zur #MeTwo-Diskussion über Alltagsrassismus, vor allem aber ein typisches Jugendstück mit Identifikationsangeboten und einem offenen Ende, über das sich trefflich diskutieren lässt. Damit bleibt das Grips in seiner Jubiläumsspielzeit – 50 Jahre wird das Haus – nah dran an Themen, über die geredet werden muss, ohne zu belehren.“ – Georg Kasch, Berliner Morgenpost, 12.11.2018

Ein Vorbericht ist in der ARD Mediathek abrufbar, die komplette Liste aller Termine samt Uhrzeiten gibt es im GRIPS, ich habe über den Entstehungsprozess gebloggt – und hier ist der Teaser:

2 Kommentare

  1. Michi Kraus

    nachträgliches toi toi toi … spannendes Projekt!
    liebe Grüße

    Michi

  2. Carolin Karnuth

    Premiere, wie von mir erwartet, ein voller Erfolg.
    Das Stück ist rund, unterhaltsam, heutig und eindringlich inszeniert.
    Das Schlagzeug absolut passend in die Handlung integriert, ebenso erzählen die Chats und Videos von den heutigen unterschiedlichen oder auch gemeinsamen Lebenswelten der Figuren.
    Toll gespielt, witzig, tief – Top!

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