Theater machen

Hamlet. Prinz von Dänemark

„Was ist wahr und was nicht in einer Welt voller Fake News? Wie halten sich zynische Herrscher an der Macht? Und wie ist das Private mit dem Politischen verbunden? Diese Fragen, so hat es Regisseur Jochen Strauch vor der Premiere von Shakespeares Tragödie formuliert, stehen für ihn im Zentrum seiner Interpretation.“

von William Shakespeare, Übersetzung Erich Fried
Premiere: 12.10.2018
Landestheater Schwaben, Großes Haus Memmingen
Bühne, Kostüme und Video: Frank Albert
Komposition und Sounddesign: Matthias Schubert
Dramaturgie: Anne-Verena Freybott
Mit: Jan-Arne Loos, Regina Vogel, Claudia Frost, Jens Schnarre, André Stuchlik, Sandro Šutalo, Tobias Loth, David Lau
Fotos: Frank Albert
Termine in Memmingen: 17. Oktober,  4. November & 28. Dezember 2018 & 23. Februar & 16., 18. April 2019

„Es ist eine große Herausforderung die Tragödie ‚Hamlet‘, das bedeutendste Werk des genialen Uraltmeisters Shakespeare, in heutiger Form auf die Bühne zu bringen. Nicht zuletzt dank eines starken Ensembles hat Gastregisseur Jochen Strauch den Psychothriller um den an der Wirklichkeit verzweifelnden dänischen Prinzen, dessen Onkel seinem Vater Leben, Krone und Frau nahm, meisterhaft bewältigt.“ – Die Lokale Memmingen, 16.10.2018

„Was ist wahr und was nicht in einer Welt voller Fake News? Wie halten sich zynische Herrscher an der Macht? Und wie ist das Private mit dem Politischen verbunden? Diese Fragen, so hat es Regisseur Jochen Strauch vor der Premiere von Shakespeares Tragödie formuliert, stehen für ihn im Zentrum seiner Interpretation. Tatsächlich durchleuchtet Strauch diesen Aspekt sehr anschaulich. Aber am Ende kommt auch er nicht um Hamlet herum, diesen rätselhaften Menschen in diesem rätselhaften Thriller um Ehebruch und Mord, Lug und Trug, Heimtücke und Verrat. Hamlets Herz und Seele ist es, um das sich auch im Landestheater alles dreht. Und das ist gut so (…)“ – Klaus-Peter Mayr in der Allgäuer Zeitung, 16.10.2018

„Prinz Hamlet ist der Fixstern im Inszenierungskosmos von Regisseur Jochen Strauch – man könnte auch sagen: die Sonnenfinsternis. Innerlich zerrissen, ist er weiser Narr und gehetztes Tier zugleich. Kahlgeschoren und halbnackt mit wildem Bodypainting, das den legendären tintenschwarzen Wams ersetzt, wirkt der Königssohn verletzlich und aggressiv zugleich. Wenn Jan Arne Looss halbnackend kauernd und lauernd in Froschposition am Bühnenrand hockt und glühenden Auges ins Publikum hinein monologisiert, gibt er seinem Hamlet etwas Lauerndes, ja, Besessenes (und erinnert ein bisschen an Gollum in ‚Herr der Ringe‘). Doch große Sprünge kann er nicht machen, es gibt keinen Ausweg, er ist gefangen.“ – Die Lokale Memmingen, 16.10.2018

„Es ist faszinierend, wie Jan Arne Loos diesen zweifelnden, zerrissenen Menschen gibt, der die Verrücktheit spielt, aber gleichzeitig schon ein wenig verrückt ist. … Wenn Hamlet sich zurückzieht, kauert er sich – wie ‚Birdy‘ in Alan Parkers Antikriegsfilm – wie ein Vogel, der gleich losfliegen möchte, auf den Boden. Aber Hamlet wird nicht mehr fliegen. Er kann sich nicht lösen von den Intrigen, in denen er sich verheddert, nicht fliehen vor seinen Familienbanden, sich nicht freimachen von seinen (Rache-)Gefühlen.“ – Allgäuer Zeitung, 16.10.2018

„Jan Arne Looss gibt in dieser Inszenierung von Jochen Strauch einen bissigen, sarkastischen Hamlet, zerfressen von Schmerz und Wut – zynisch und sensibel, desillusioniert und verletzlich. Er lässt dem Zuschauer kaum eine andere Wahl, als auch dann noch mit dem Dänenprinzen zu leiden, wenn dieser schon längst zum Mörder geworden ist. Der Geist seines Vaters erscheint Hamlet als grünlich waberndes Phantom. Zunächst kaum zu erkennen und mit vielen Stimmen gleichzeitig sprechend, wandelt sich die rachsüchtige Vision des Königs im Fegefeuer im Laufe des Stücks zu Hamlet selbst. Im eigenen Kopf gefangen, wird aus dem zunächst nur vorgetäuschten Wahnsinn des Prinzen bald bitterer Ernst.“ – Merkur.de, 20.10.2018 (am)

„Verzweifelt tritt der destruktive Held schließlich  die Flucht nach vorne an. Er spaltet seine Gefühle ab, wird kalt-berechnend und brutal. Strauch lässt den sensiblen und tiefsinnigen jungen Hamlet zum vertitablen Schlächter, zum rasenden Massenmörder degenerieren. Nicht er, erklärt diese schließlich, sondern sein Wahn habe die Morde begangen.“ – Die Lokale Memmingen, 16.10.2018

„Optimal und funktional ausgestattet ist die Tragödie durch die Drehkonstruktion im Zentrum der Bühne: Eine große weiße Treppe dient als Terrasse des Königshauses in Helsingör, als Thronsaal und Tribüne. Inwendig bietet sie Raum fürs Private, wird zum Grab für Ophelia und ihren Vater. Außerdem dient sie als Projektionswand für das Porträt des Geistes des toten Königs Hamlet. Indem die Treppe sich immer schneller dreht, zeigt das Bühnenbild auch die zunehmende Dynamik des Stücks an.“ – Die Lokale Memmingen, 16.10.2018

„Und dann: Licht an. Spätestens beim Ruf ‚Achtung, Mitmachtheater!‘ ist im Parkett ein Hauch von Nervosität spürbar. Man braucht noch zwei Darsteller aus dem Publikum, die für das Stück im Stück das Königspaar geben. Den männlichen Part übernimmt zur Premiere Stadtrat Matthias Ressler und lässt sich – so will es die Handlung – im Schlaf ermorden. Solche Einlagen, unglücklich eingesetzt, können eine Tragödie ins Lächerliche ziehen und ihre Wirkung schmälern. Jedoch nicht hier – im Gegenteil: Die komödiantischen Zwischentöne verleihen im Kontrast dem zerstörerischen Wahn und dem unvermeidbaren Niedergang Hamlets umso mehr Schlagkraft. In einer minimalistischen Kulisse, die sich so schnell dreht und wandelt wie Hamlets Gemütszustand, entfaltet sich unaufhaltsam ein blutiges Drama, dem die gesamte dänische Königsfamilie zum Opfer fällt. Und der Rest? Der Rest ist Schweigen. – Merkur.de, 20.10.2018 (am)

„Heftiger und lang anhaltender Applaus belohnt die durchweg glänzenden Schauspieler. Für seine Darstellung des Hamlet hätte Jan Arne Looss eigentlich Standing Ovations verdient.“ – Die Lokale Memmingen, 16.10.2018

„Ein starkes Ensemble … Riesiger Applaus.“ – Allgäuer Zeitung, 16.10.2018

Mehr Fotos bei Frank Albert und über den Entstehungsprozess im Making-of.

1 Kommentar

  1. Vera Birtsch

    Gratulation zu diesem Erfolg! Zeigt er doch, wie lohnend es auch heute ist, sich den Klassikern und besonders auch Shakespeare zuzuwenden. Die Klassiker-Dramen zeigen eben doch besonders zuverlässig Konstellationen des menschlichen Mit- oder besser Gegeneinanders auf, die immer wieder in den Blick genommen werden sollten. Werden Themen von Macht und Intrige, vom Wesen des Seins wie hier von Jochen Strauch und dem Schauspielerteam auf ihr aktuelles Erscheinungsbild befragt, sind die Antworten stets spannend – helfen sie doch, die eigene Wahrnehmung der aktuellen Zeitgeschichte wieder scharf zu stellen. Schließlich ist es heute keine Kleinigkeit, die Nachrichten- und Meinungsfluten zu verarbeiten und den eigenen Kompass zu halten. Ich freue mich, dass die neue Hamlet-Aufführung von Memmingen hierzu offenbar beigetragen hat.

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