Blog Nachdenken

Hijab Plays

Dann trag Du’s doch!

Relativ am Anfang von Ayad Akhtars Dramedy „The Who and the What“ trifft sich Zarina mit Eli zum Abendessen, einem amerikanischen, mehr als mustergültig konvertierten Muslim. Eingefädelt hat die Zusammenkunft Zarinas Vater – durch ein Fakerprofil auf einer Datingplattform, um für seine Tochter den richtigen, muslimischen Ehemann zu finden. Die Szene ist Atlanta. Es funkt nicht sofort, doch der Start ins Stück ist fast schon Commedia dell‘Arte: der komische Alte, der versucht die Tochter zu verkuppeln, der beflissene Bewerber etc. Und beim jenem ersten Date kommt es gleich zu mittelschweren verbalen Karambolagen. In deren Verlauf verteidigt der muslimische Prediger Eli das Kopftuch. Der Hijab, ebenjener Vorhang, der das Hochzeitszimmer des Propheten vom restlichen Fest abtrennte, ist ein zentrales Thema in Zarinas Buch vom Wer und vom Was, von ihrer Suche nach einer psychologischen, differenzierten Auslegung der Geschichten des Korans – und einer Selbstfindung als feministischer Muslima. Zarina reagiert entnervt auf das klassische Argument, warum Frauen sich verschleiern (aus Respekt vor Gott) und liefert eine der schönsten Pointen des Abends: „Du willst Ergebenheit zeigen, Eli, warum legst du dann nicht den Schleier an?“ – und schon sind wir mittendrin im transkulturellen, interreligiösen, modernen, demokratischen, genderkommunikativen Schlamassel. Mit den Proben beginnen wir am 27. November in Wilhelmshaven, Premiere am 12. Januar 2019.

… und um ebenjenes Kopftuch geht es auch in „Dschabber“ des Kanadiers Marcus Youssef, das wir am 8. November 2018 erstmals in deutscher Sprache am Berliner GRIPS Theater aufführen werden. Und auf meine Begeisterung, wie unaufgeregt und selbstverständlich Protaginistin Fatima einfach beschreibt, dass das Kopftuch zu ihr gehöre und natürlich eine moderne junge Frau mit allen Sorgen und Nöten des Aufwachsens sei, fast schon eine pubertierende, islamische Stand-Up-Comedienne, antwortete mir Christin Treunert ähnlich: Aber wie freiwillig ist denn das Kopftuch? Und was erleben junge Frauen wirklich damit, an einer Berliner Schule?

Streitkultur ist Leitkultur

Beide Stücke proben wir nun zu einer Zeit, in der die #MeTwo-Diskussion uns eindeutig klarmacht, dass die paternal-geführte Integrationsidee 2018 an einem Endpunkt angekommen ist. Ich lege den Blogeintrag als offenes Diskussionsangebot zu beiden Stücken (Premieren 8.11.2018 und 12.1.2019) an, werde aus den Proben berichten und Gedanken unserer Arbeit mit den Stoffen veröffentlichen.

Wie­so soll­te es aus­ge­rech­net jetzt har­mo­nisch wer­den?

„Da­bei ist der Bau re­prä­sen­ta­ti­ver Mo­sche­en erst ein­mal nicht Aus­druck ei­ner Ab­kap­se­lung, son­dern Zei­chen des Teil­ha­ben­wol­lens an der Stadt­ge­sell­schaft. Ge­nau die­ses Phä­no­men mei­ne ich. Auch das Kopf­tuch war kein Pro­blem, so­lan­ge nur die mus­li­mi­sche Putz­frau eins trug. Zum Pro­blem wur­de es, als Frau­en mit Kopf­tuch Leh­re­rin­nen wur­den…“, beschreibt der Soziologe Aladin El-Mafaalani im SPIEGEL-Gespräch Nr. 31/2018 seine These, dass die extremen Kollisionen unserer Gegenwart nicht wegen mangelnder sondern aufgrund von gelingender Integration stattfänden. „Wenn In­te­gra­ti­on ge­lingt, wird die Ge­sell­schaft nicht ho­mo­ge­ner, nicht har­mo­ni­scher, nicht kon­flikt­frei­er. Im Ge­gen­teil. Im­mer mehr und im­mer un­ter­schied­li­che­re Men­schen sit­zen am Tisch und wol­len ein Stück vom Ku­chen. Wie­so soll­te es aus­ge­rech­net jetzt har­mo­nisch wer­den? Die Kon­flik­te ent­ste­hen, weil die Ge­sell­schaft zu­sam­men­wächst, weil viel mehr Men­schen als frü­her ihre Be­dürf­nis­se äu­ßern, mit­dis­ku­tie­ren, mit­strei­ten.“ So argumentiert er dafür, dass die offene Gesellschaft gerade durchaus gelinge! Auch wenn die mediale Bearbeitung der Özil-Debatte, der Aufruhr um Söders bayerische „Kreuzzüge“ und Polizeieinsätze oder Seehofers Heimatministerium ein anderes Bild zu vermitteln scheinen. „Der Sala­fis­mus ist eine mul­ti­kul­tu­rel­le, alle Schich­ten über­grei­fen­de Pro­test­be­we­gung ge­gen die of­fe­ne Ge­sell­schaft. Las­sen Sie das Mul­ti­kul­tu­rel­le weg, dann ha­ben Sie den Rechts­po­pu­lis­mus. Bei­de Be­we­gun­gen sind sich ähn­li­cher, als ih­ren An­hän­gern lieb ist. Po­li­ti­sche Pro­vo­ka­ti­on funk­tio­niert heu­te über mas­si­ve Ge­walt, so wie beim G-20-Gip­fel in Ham­burg, oder über ein Vo­tum ge­gen die of­fe­ne Ge­sell­schaft. Denn die of­fe­ne Ge­sell­schaft ist heu­te der Main­stream“, so Aladin El-Mafaalani.

#metwo #werjammerthier unbedingt teilen das sollte jeder wissen …..

Gepostet von Idil Nuna Baydar am Dienstag, 31. Juli 2018

Achtung, dieser Link von Idil Nuna Baydar ist ein Facebook-Video – wer hier liked oder clickt betritt die datenschutzrechliche Welt von Facebook #DGSVO.

Youssef und Akhtar

Dass diese Autoren nun ganz nebenbei die Spielpläne des deutschen Stadttheaterbetriebs bereichern, erzählt eine gute Geschichte: Zwei Frauen hinterfragen als Protagonistinnen ihren Glauben, auf sie projizierte Lebensmodelle, ihre Haltungen, ihre Ziele und Träume und Visionen. Wir schauen gemeinsam moderne Geschichten um Religiosität, um Tradition und Freiheiten, um Liebe und Familie und Verbindlichkeiten an. Natürlich befragen sich die Frauen im Stück  nach ihrer individuellen Freiheit, aber sie tun es auch aus einer Innensicht des Muslima-Seins, also in ihrem kulturellen Framing. Zwei muslimische Autoren, Männer, kreieren diese Geschichten in einer globalisierten Welt um Feminismus und Islam, um Kopftuch und Erwachsenwerden. Muslimische Narrative? Vielleicht. Menschliche Geschichten von Sehnsucht nach Freiheit und Zugehörigkeit. Definitiv! Die Stücke mit ihrer Normalität und unaufgeregten Erzahlweise kommen jedenfalls auch in Deutschland keinen Moment zu früh. Ich bin gespannt auf die Probenprozesse und begreife die Entscheidung für die Stückauswahl als deutliches Statement: Wir sind längst soweit komplett gleichberechtigt miteinander über alles menschliche Miteinander zu streiten und uns für das Gemeinsame im scheinbar Fremden zu interessieren.

Hijabvibe

Massouda Sarwari-Pumm, die Gründerin des Medienunternehmens Hijabvibe, eröffnet in einem Beitrag auf ZEIT ONLINE einen Reigen von Kurzinterviews zu Beweggründen rund um den Hijab:

Wer erzählt hier von wem?

„Das Foto, das Mesut Özil mit dem türkischen Präsidenten gemacht hat, war nicht richtig. Punkt. Was aber anschließend passierte, und noch immer passiert, hat viel mehr mit Rassismus zu tun, als viele wahrhaben wollen. Ich kenne Rassismus von klein an. Allerdings von beiden Seiten. Im türkischen Zuhause und Umfeld wurde auf Kurden, Armenier und Araber geschimpft, aber auch auf Juden, Christen und Ungläubige. In der Schule war es dann umgekehrt auf uns Türken“, beschreibt die international erfolgreiche Schauspielerin Sibel Kekilli in „Was der Fall Özil mit mir macht“ in der ZEIT vom 2.8.2018 – und sie denkt eben auch darüber nach, wie MigrantInnen im Showgeschäft eingesetzt werden. „Ich bin mir sicher, dass ich wegen meiner türkischen Herkunft auch weniger und andere Rollen bekomme. Dabei ist es noch nicht einmal so, dass ich besonders türkisch aussehe. In Italien spricht man mich italienisch an, in Frankreich französisch. Nur hierzulande ist in den Köpfen fest verankert: Sibel Kekilli ist eine Türkin. … Ich will als Schauspielerin wahrgenommen werden und nicht als Türkin. Ich will die gleichen Chancen haben wie meine ‚deutschdeutschen‘ Kolleginnen für Rollen, die keiner speziellen Haarfarbe bedürfen. Und wenn ich dann die Rolle nicht bekomme, weil ich vielleicht schlechter bin in dem Moment, dann kann ich damit eher umgehen als damit, überhaupt keine Chance zu bekommen.“ Aber immerhin bekommt Kekilli Rollen, während weiterhin viel zu wenige Menschen mit internationaler Biografie oder People of Color präsent sind in Film und TV oder auf der Bühne.

Bei der Jahresversammlung der Dramaturgischen Gesellschaft „Wer ist wir? Theater in der interkulturellen Gesellschaft“ fragte Klaus Theweleit 2011 noch offensiv „Wer repräsentiert hier eigentlich wen?“ – denn: Wir wollen sehen, was uns vertraut ist und unsere Wirklichkeit abbildet, was unsere Story ist – und wenn die Wirklichkeit komplexer und vielschichtiger und interkultureller ist, als es das Theater zeigt, dann wird der ganze Anspruch einer reflektierenden Funktion von Kunst ad absurdum geführt. Was denkt ihr dazu? Die Kommentare sind eröffnet!

Hijab Play I: Berlin. Making-of Dschabber

Die Proben zu „Dschabber“ am GRIPS starten am 30. August.

Marcus Youssef, der zur DE von „Dschabber“ anreisen wird, schrieb letzte Woche zu El-Mafalaanis SPIEGEL-Gespräch: „If integration succeeds, society will not become more homogeneous, non-harmonious, not conflict-free. On the contrary. More and more and more different people are sitting at the table and want a piece of cake. Why should it be harmonious now? The conflicts arise because society grows together, because many more people than before express their needs, discuss them, argue with them.“ — Yes/Ja! I could not agree with this more. Why should interculturalism be harmonic? Why is conflict bad? I talk a lot about the productive value of conflict, about the necessary tension that arises out of difference. Which of course is the basis of drama, right?  In Canada we have a false ideology that says everything must always be nice, and so conflict gets hidden. I know this may seem desirable compared to the situation Germany is in, but if we had been more generous with refugees, those conflicts would be less hidden here, too. And we have our own far right, which is also growing more bold.

Sein Stück „The In-Between“ verarbeitet den Rechtsruck unter kanadischen Jugendlichen. Mehr von Marcus im Making-of von „Dschabber“. Ich freue mich aufs Kennenlernen im November.

Hier geht es zur Dokumentation der Europäischen Erstaufführung von „Dschabber“.

5 Kommentare

  1. Eine spannende Debatte und eine Diskussion, die geführt werden muss.
    Wenn viele unterschiedliche Menschen einen Tisch bereichern, wird es zu emotionalen Diskussionen über Werte kommen, das auch auf der Bühne zu zeigen, ist Abbild unserer Wirklichkeit und Zukunft.
    „Religion darf gern Privatsache sein“. Ja, sehr gern sogar.
    Aber gern darf sie auch zelebriert und geteilt werden oder es darf über sie auch berichtet werden ohne „Ich bin richtig, Du nicht“. Und unbedingt, am Allerwichtigsten, darf sie kritisiert, hinterfragt werden dürfen, es darf sogar über sie gelacht werden.
    Wenn Gott existiert, hat Gott auch den Humor erfunden. Die Selbstironie.
    Ein rachsüchtiger Gott ist ein unsinniges Konzept; menschliche, kleinliche Ohnmachtsgefühle auf eine allmächtige Wesenheit zu projizieren, das ist es, was komplett unlogisch ist. „Ungläubige“ ist zudem kein Schimpfwort oder sollte zumindest keins sein.

    Bei dem ganzen Diskurs über verschiedene Glaubensrichtungen und Identitäten, sollte auch genau diese Sicht auf der Bühne mitdiskutiert werden. Menschenverstand und Empathie können hierbei, sollten hierbei, als Werkzeuge dienen.
    In dieser Hinsicht können wir von Nathan viel lernen.

    Ok, und nun also zum Kopftuch.

    Auf der Bühne: Auf jeden Fall, bildet unsere Lebenswirklichkeit ab!
    Im Alltag: Was soll`s, leben und leben lassen. Identität soll und darf individuell ausgelebt werden.
    Ich bin offiziell katholisch und nicht besonders religiös. Meine Religion ist der Feminismus.
    Jeder Glaube, indem Frauen schlechter wegkommen als Männer, ist für mich ein Irrglaube.
    Es ist ärgerlich und gehört reformiert.
    Wenn Frauen aus freien Stücken Kopftuch tragen wollen, schön, mir egal, in China fällt `n Sack Reis um.
    Wenn das Kopftuch befohlen wird, ärgert mich die Tradition.
    Mich ärgert dann noch mehr eine Burka, weil ich mich doch automatisch frage, wie freiwillig das Stoffgefängnis getragen wird. Und eben: warum tragen keine Männer aus Respekt Kopftuch oder Burka?!

    Ich bin Halbiranerin, Halbserbin, in Deutschland geboren, `n kölsches Mädsche, durch Berlin so abgestumpft, dass mich nicht mehr viel erschrecken kann.
    Hier leben verschiedenste Kulturen nebeneinander und das ist auch gut so und kann bereichern.

    Jetzt bin ich auch noch Schauspielerin. Ich sehe irgendwie deutsch aus. Aber irgendwie wundert man sich über meine schwarzen Haare. Sind die gefärbt? Nein, 50% bio-iranisch.
    Und irgendwie habe ich auch Castings, wo ich als Türkin angefragt werde. Aber irgendwie bin ich dann nicht türkisch genug. Verrückt. Ich bin halt so dazwischen. Manchmal war ich neidisch auf meine türkischen Kolleginnen, weil ich den Eindruck hatte, krass, das ist deren Zeit! Nun gut, Sibel Kekilli hat mich jetzt eines Besseren belehrt, sie kämpft im Grunde auch mit einem „Dazwischen“.

    Bis Feminismus nicht mehr gebraucht wird, Gleichheit selbstverständlich ist, müssen Religionen so lange hinterfragt, kritisiert und reformiert werden, bis Frauen als gleichwertig angesehen werden. Islamkritiker sollten keinen lebenslangen Polizeischutz brauchen müssen.

    Gott hat uns den freien Willen und Frauen das Selbstbestimmungsrecht über den eigenen Körper gegeben und das Recht auf legale Abtreibungen muss auch im staubig-christlichen Polen möglich sein.
    Das dazu. 😉

  2. Was für eine sympathische Idee – betrachten wir doch endlich die Integration von Zuwanderern als das, was sie ist: als einen demokratischen Prozess. Der Gedanke, ‚Leitkultur‘ als ‚Streitkultur‘ zu begreifen, wird von Jochen Strauch bei seinen Vorbereitungen auf die Regiearbeit direkt in die Tat umgesetzt. Und welch guter Gedanke: der Regisseur inszeniert am GRIPS Youssef und Achtar in Wilhelmshaven und öffnet bereits zu Probenbeginn die Bühne für Teilhabe und Diskussion. Das kommt nicht von ungefähr, hat sich Jochen Strauch doch bereits am Thalia-Theater in Hamburg als Verantwortlicher für Marketing und Öffentlichkeitsarbeit mit dem Thema Integration von Zuwanderern beschäftigt und Migranten erfolgreich eingeladen, am Theaterleben teilzuhaben. Gemeinsam haben wir – ich als die für Integration zuständige Amtsleiterin – neue Treffpunkte und Diskussionsveranstaltungen für Begegnung und Austausch von Alt-Hamburgern und zugewanderten Migranten organisiert. Das Thalia-Theater richtete ein eigenes ‚Abo International‘ ein.

    Was bedeutet es aber nun, einen demokratischen Prozess zur Gestaltung des Zusammenlebens in einer Integrationsgesellschaft, in Gang zu setzen und zu steuern? Gesprochen und gestritten werden sollte doch dann darüber, wie wir miteinander umgehen, darüber was in einer Alltagsbegegnung erlaubt ist, was gefällt und was stört. Harmonisch kann ein solcher Prozess wohl in einer heterogen gewordenen Gesellschaft nicht sein. Und doch ist der Rahmen für eine solche Streitkultur bereits vorgegeben. Unser Grundgesetz stellt Eckpfeiler und Basis eines solchen Prozesses dar, zieht also die ‚roten Linien‘, die es einzuhalten gilt. Wird aber nicht gerade daran gerüttelt, wenn z.B. Begriffe wie ‚die Würde des Menschen‘ sehr unterschiedlich ausgelegt werden? Wenn es um die Würde von Männern und Frauen, von Familien geht, sind schnell Tradition und Wertgefühle angesprochen, die sich widersprechen: das Kopftuch kann für eine Muslimin Teil ihrer Selbst und für eine Norddeutsche einfaches Zeichen männlicher Unterdrückung sein. Sind aber Emotionen im Spiel, kommen Diskussionen schnell an den Punkt, wo sie in heftigen Streit und wechselseitiges Unverständnis münden können. Hier wäre also Moderation gefordert, die nach situativen Unterschieden, nach persönlichen Erfahrungen und Zukunftsvorstellungen, die auch nach Kompromissen fragt, in die alle Seiten etwas einbringen müssen. Eine unabhängige Moderation kann Situationen entschärfen, Gemeinsamkeiten herausarbeiten, patriarchale Strukturen aufdecken und auch darauf hin arbeiten, dass Ergebnisse erzielt werden, die von beiden Seiten als ‚gerecht‘ empfunden werden.
    Wenn das Theater ein Stück dieser Moderation übernehmen kann, wäre das super! Kann es?

    Dr. Vera Birtsch war bis 2011 Amtsleiterin für die Bereiche Arbeit, Integration von Zuwanderern, Bürgerschaftliches Engagement, Jugend- und Familienhilfe in der Sozialbehörde Hamburg. Jetzt freiberuflich tätig als Beraterin und Mediatorin.

  3. Diesen Spiegel Artikel von Aladin El-Mafaalani finde ich schwierig. Moscheen sind Orte der Religionsausübung, des gemeinsamen Praktizieren von Glauben, nicht Ausdruck eines Willens zur Teilhabe an der bundesdeutschen Gesellschaft. Eher die Versicherung, das man Teil einer Gemeinschaft ist, nicht werden möchte/muss, glaube ich.
    Und mehr Leute am Tisch bedeuten doch nicht automatisch mehr Probleme. Abgesehen davon leben wir Deutschen in Zeiten des Bevölkerungsschwundes und können uns nur über jede/n neue/n Staatsangehörigen FREUEN!

    Dein Bemühen, Jochen, offen mit diesen ganzen Konflikten umzugehen, sie weder zu verbergen, noch zu dramatisieren, noch zu beschönigen ist vorbildlich. Davon können viele Theater sich ganze Brote abschneiden.
    Aber ich bin ein wenig optimistischer als Du: Ich glaube nicht, dass wir an irgendeinem Endpunkt angelangt sind.
    Solange sich weisse Männer als Opfer (der Me-Too-Debatte! Der Frauen!) sehen können, und Deutsche sich als Opfer von respektvollen Sprachregelungen (Man darf ja gar nichts mehr sagen…) gibt es noch viel zu tun.
    Und es gibt viele Menschen, die sich dieser Aufgabe annehmen. Du zum Beispiel! Und Shermin Langhoff und Sascha Marianna Salzmann und Stefan Bachmann und Bassam Ghazi. und viele mehr.

    Vor ein paar Monaten saß ich mit einer Redakteurin des öffentlich-rechtlichen deutschen Fernsehens (ARD) bei einer Drehbuchbesprechung. Sie beklagte sich über die Political Correctness und die Verbote in „ihrer“ deutschen Sprache. (sic) Sie wird doch wohl…! Sie lässt sich nicht… ! Man wird ja wohl noch! Während dieses Gespräches fiel unzählige Male das N-Wort. Auch Sinti und Roma wurden mit dem Z-Wort bezeichnet. Ich widersprach jedes Mal, wies auf die beleidigende Bedeutung hin, war empört, geduldig, verständnisvoll, wütend, aufgebracht, geduldig…
    Sie bezeichnete sich als Nicht-Rassistin, was so ähnlich ist, wie Leute die sagen „ganz kurz…“ und dann ewig reden. D.h. jemand der es für notwenig hält sich selbst als Nicht-Rassisten zu bezeichnen, sollte mal nachdenken.
    Eine multikulturelle Gesellschaft ist nicht zwangsläufig eine Gesellschaft der Gegensätze.
    Alle Eltern der Welt haben Angst um ihre Kinder. Sie versuchen sie zu beschützen und auf das Leben vorzubereiten, das sie sich für sie wünschen. Mit unterschiedlichen Mitteln, je nach sozialem Status, Religionszugehörigkeit, ethnischem Ursprung, u.s.w. Durch übertriebene Ansprüche, Kopftücher, die Mitgliedschaft im Golfclub, Nachhilfe, lange Röcke, kurze Röcke, Geigenunterricht, Einzelstunden beim Sporttrainer, Koranstunden, Konfirmationsunterricht, Museumspädagogik, Theaterworkshops, Selbstverteidigung für Mädchen und vieles mehr.

    Wir sind durch unsere Herkunft weniger unterschiedlicher, als man uns glauben machen will, sondern eher dadurch mit welcher Haltung wir durch die Welt gehen und aus der heraus wir handeln!

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